Immer diese Jugend? Sie sei faul, verzogen und undiszipliniert – wer kennt solche Aussagen nicht? Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die ältere Generation die Jugend schon seit Jahrtausenden kritisiert. Tatsächlich lassen sich ähnliche Vorwürfe bereits vor über 5000 Jahren finden. Offenbar handelt es sich dabei weniger um ein modernes Phänomen als vielmehr um ein wiederkehrendes Muster gesellschaftlicher Wahrnehmung.
Im Rahmen eines pädagogischen Seminars machte mich ein Kommilitone auf einen Artikel aufmerksam, der sich mit der Kritik an der heutigen Jugend auseinandersetzt. Die darin enthaltenen historischen Beispiele fand ich äußerst aufschlussreich. Sie haben mir geholfen, meine eigene Sichtweise zu hinterfragen, mich in dieser Debatte stärker zu erden und das Thema differenzierter zu betrachten. Im Folgenden findet sich eine Zusammenfassung aus dem Artikel, soie eine eigene Erweiterung bemerkenswerter Zitate.
Unter dem Punkt: Weiterführendes findest du die Ursprungsquellen und passende Youtube-Videos, als Ergänzung, zur Thematik.
„Nun leiden wir unter den Übeln eines langen Friedens. Luxus, schlimmer als der Krieg, hat sich über uns gelegt und rächt die besiegte Welt.“
… und so weiter, immer dasselbe Lied. Der Unterschied heute ist nur: Die Klagen über Jugendliche können viel schneller und weiter laufen – direkt über Social Media, Nachrichten und Gespräche. So landet jede pauschale Bemerkung schneller bei „dem Jugendlichen“, der sich dann direkt angesprochen und abgewertet fühlt.
Für ihn wirkt das oft nicht wie eine allgemeine Generationen‑Klage, sondern wie eine konkrete Ansprache an ihn persönlich. Dass es sich dabei um globale Generalisierungen handelt, die über einen Kamm geschert werden, ist ihm oft nicht direkt klar.
Ironischerweise läuft dieser Beitrag selbst auch einer gewissen Pauschalierung zu. Vielleicht ist das genau der Punkt: Solange bestimmte Gruppen immer wieder dieselben Muster wiederholen, klingt ihre Klage nie wirklich neu – und doch verändert sich die Welt um uns herum.
In meinem Berufsalltag habe ich häufig mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun. Dabei fallen mir immer wieder ihre Unsicherheiten und ihre teilweise fehlende Selbstständigkeit auf. Gleichzeitig erinnere ich mich daran, dass ich in diesem Alter nicht anders war. Auch ich war oft orientierungslos, unorganisiert und musste erst lernen, Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen.
Jede Generation wächst mit ihren eigenen Herausforderungen auf. Während meine Jugend von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 geprägt wurde, beschäftigen junge Menschen heute unter anderem Fragen der Berufswahl vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz.
Meiner Ansicht nach fehlt in der westlichen Welt zudem etwas, das in vielen traditionellen Kulturen selbstverständlich ist: ein bewusst gestalteter Übergang vom Kind zum Erwachsenen. In zahlreichen Naturvölkern begleiten Rituale diesen Schritt – sei es durch Prüfungen, Schmerzrituale wie den Ameisenhandschuh (https://www.youtube.com/watch?v=0LWd_OFG7QE), die erste Teilnahme an einer Jagd, Kriegerinitiationen oder Tätowierungen. Unabhängig von ihrer konkreten Ausgestaltung vermitteln diese Zeremonien eine klare Botschaft: Von diesem Zeitpunkt an beginnt die Verantwortung des Erwachsenseins.
In unserer Gesellschaft geschieht dieser Übergang häufig deutlich weniger bewusst. Jugendliche werden 18 Jahre alt, machen vielleicht ihren Führerschein, und plötzlich wird erwartet, dass sie eigenständig handeln und Verantwortung übernehmen. Diese Erwartungen werden jedoch selten offen ausgesprochen oder aktiv begleitet.
Die Heranführung an das Erwachsenwerden ist in erster Linie Aufgabe der Familie und des unmittelbaren sozialen Umfelds. Jugendliche werden sowohl von den gesellschaftlichen Umständen ihrer Zeit als auch von den Menschen geprägt, die sie tagtäglich begleiten. Deshalb trägt jeder von uns eine gewisse Verantwortung dafür, jungen Menschen Orientierung zu geben, sie ernst zu nehmen und sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen.
Wenn du „Jugend“ oder „Ältere“ als Block betrachtest, verlierst du den Blick auf individuelle Geschichten und Stärken.
Durch Social Media und Medien landen pauschale Aussagen fast direkt beim Einzelnen. Das verstärkt Unsicherheit, Abwertung und gegenseitige Abgrenzung.
Nur weil jemand „schlechte Jugend“ laut ausspricht, bedeutet das nicht, dass Jugendliche tatsächlich weniger kompetent oder moralisch sind. Daten zeigen eher, dass sie sensibel, informiert und oft sehr engagiert sind.
Mach doch mal den ersten Schritt: Hör auf, über „die Jugend von heute“ zu meckern, und sprich stattdessen mit einer echten jungen Person – ohne Moralpredigt, ohne Generationen‑Klischees. Stell eine ehrliche Frage, hör wirklich zu und nimm wahr, worum es in Wirklichkeit geht.
Denn wenn du heute bewusster mit Jugendlichen sprichst, statt sie über einen Kamm zu scheren, baust du genau den Gegenpol zur ewigen Klage – und zwar direkt in deinem Alltag.
Jede Generation hat ihre ganz eigenen Krisen und Konflikte und immer ihre eigene Art damit umzugehen.